Der Lachwald
 


 

""Ha-ha-hi-hi", schallt es aus den Bäumen vorm Bernrieder Dampfersteg. Ein zweites Lachen kommt hinzu, dann sogar die Stimme eines Schimpansen oder das Gackern von Hühnern. Knapp drei Minuten dauert das Gelächter im Lach-Wald von Bernried, mal wiehernd oder gackernd, mal hoch und mal tief - bis zum befreienden Finale mit zehn verschiedenen Lachern. Manchem Besucher mag das Gelächter irgendwie bekannt vorkommen. War das etwa Kabarettist Gerhard Polt? Oder Maxi Schafroth und Luise Kinseher?

(Süddeutsche Zeitung, 19.07.2021, ​Humor-Festival am Starnberger See: Lachen als Therapie)



Was ist der Lachwald? Ist das Kunst? Musik? Oder Verhaltensbiologie?


Wenn ich manchmal die Leute beobachte, die durch den Lachwald hindurchgehen, scheint eines auf der Hand zu liegen: Die Geräusche, die diese Klanginstallation von sich gibt, rufen eine Reaktion in der Gesichtsmuskulatur der Spazierenden hervor.


Eine Baumgruppe beginnt durch die Betätigung eines Fußschalters zu lachen. Das Lachen zieht sich zeitversetzt durch verschiedene Stationen, wobei jeder Baum eine dieser Stationen darstellt. An jeder Station ertönt das Lachen von verschiedenen Menschen und jede Station hat ein eigenes Thema: Mal können prominente Lachende hörend erraten werden, mal werden Themen wie „Jung und Alt“ oder „kulturelle Vielfalt“ in Lachkompositionen verarbeitet (Hier geht’s zum Lachwaldrätsel). Im Lachwald in Bernried am Starnberger See lachen beispielsweise Eckart von Hirschhausen oder Gerhard Polt neben Menschen, die zwischen acht Monaten und 83 Jahren alt sind oder Meschen aus den verschiedensten Ländern der Welt. 


Ein jedes Lachen zeichnet sich durch seine fingerabdruckähnliche Individualität aus und gleichzeitig ist es das Lachen, was uns Menschen allen gemein ist. Dabei nehme ich an, dass das Lachen einen Resonanzmoment  markiert, also einen Moment, in dem sich zwischen uns und der Welt ein Antwortverhältnis herstellt. Wir fühlen uns von unserem Gegenüber, also von anderen Menschen oder von einem anderen Weltausschnitt getragen und adressiert und antworten unsererseits mit einem Lachen. So einen Moment „auf Tonband“ einzufangen und damit zu konservieren, halte ich zwar nicht für möglich. Der Lachwald ist aber ein Versuch, für seine Besucher ein Gegenüber bereitzuhalten, welches neue Resonanzmomente hervorrufen kann. Der Wald soll – nicht zuletzt durch die Bäume – eine standfeste und sturmerprobte Sphäre symbolisieren, in welcher der Humor wohnt und in die man sich hineinbegeben kann, um sich vom Lachen anstecken und affizieren zu lassen. Während einer Pandemie, die auch von Isolation und Einsamkeit geprägt war und ist, soll der Lachwald auch eine Antwort auf die Sehnsucht nach dem Geräusch ineinanderfließender Gelächter bieten, denn er klingt stellenweise so, als ob sich hier Menschen treffen und gemeinsam ein Fest feiern.


Durch die stetig wachsende Lachsammlung, die ich seit der Konzeption des Lachwalds in Bernried am Starnberger See angelegt habe, ist es möglich, die verschiedensten Menschen miteinander lachen zu lassen. Das macht den Lachwald zu einem neutralen Boden, auf dem über Differenzen und Konfliktpunkte hinweggesehen wird. Denn dort, wo miteinander gelacht wird, entsteht Verständigung, Fortschritt und Energie.


Auf letztere Bezug nehmend denke ich, dass das Pflanzen von Lachwäldern vielleicht sogar zu einem Schlüsselfaktor für die Energieproduktion der Zukunft werden könnte. Denn so ein Lachwald speichert Unmengen an Grießgram-Batz und gibt – quasi als Nebenprodukt – eine Freude und Lebensenergie ab, mit der man Bäume ausreißen könnte….. oder eben nicht! 


Das Lachen des Waldes ist also auch ein Lachen der Natur, die uns einladen möchte, mit ihr mitzulachen. Lacht der Lachwald uns Menschen auch aus? Ich denke nicht, wenngleich es durchaus sein kann, dass er uns zur Selbstreflexion einlädt.

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Beschreibung

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